Bauberichte

Nieuport 11 von Stefan Thurnherr

Einmal ein Modellflugzeug ohne Baukasten oder vorgefertigte Elemente herzustellen war für mich schon immer mal ein spezieller Anreiz. Und dies sollte nun mal auch in die Tat umgesetzt werden.

Da Warbirds schon seit eh und je für mich ein spezielles Flugbild abgeben und in unserem Vereinslogo die Silhouette eines Doppeldeckers abgebildet ist, fiel meine Wahl auf einen Nieuport 11.

Das Original
Die Nieuport 11 war ein im Jahr 1916 gebautes französisches Jagdflugzeug, das im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam. Das Flugzeug wurde als Antwort auf die sogenannte Fokker-Plage (die damals herrschende Überlegenheit der Fokker-Eindecker) von 1915 entworfen.

Nieuport 11 - Wikipedia

Technische Daten:

  • Spannweite: 7.52m
  • Länge: 5.64m
  • Höhe: 2.45m
  • Antrieb: ein Umlauf-Sternmotor mit 59 kW (80PS) Leistung
  • Höchstgeschwindigkeit: 159 km/h
  • Dienstgipfelhöhe: 4'700 m.ü.M.
  • Besatzung: 1 Pilot
  • Bewaffnung: Ein Lewis-MG 7.7mm auf der oberen Tragfläche montiert
  • Leergewicht: 320kg
  • Fluggewicht: 480kg


Das Modell und der Bauplan

Nach einer intensiven Internetrecherche fand ich einen recht detaillierten Bauplan einer Nieuport 11 im Massstab 1:5. Daraus ergibt sich eine Spannweite von 1.50m - eine ideale Grösse für mein Projekt!
Den Bauplan - als sogenannte DWG-Datei vorhanden - habe ich noch ein Wenig auf meine Bedürfnisse mit dem PC zurechtmodelliert, so dass ich die einzelnen Rippen platzsparend und auch die restlichen Bauteile auf einem Papier mit maximaler Breite von 100mm ausdrucken konnte. Dies daher, da die Balsabrettchen diese Breite aufweisen.

Bau der Tragflächen und Querruder

Nachdem die 46 Rippenkonturen ausgedruckt und -geschnitten waren, klebte ich sie auf die Balsabrettchen und sägte jedes Einzelne aus. Damit sie schlussendlich die gleiche Kontur aufweisen, habe ich baugleiche Rippen zu einem Rippenblock zusammengespannt und so verschliffen.

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Dies nahm einige Stunden in Angriff, doch das Rippengebilde und darausfolgend die gesamte Tragfläche bildet schliesslich die Basis eines jeden Flugmodells. Der Rohbau der oberen Tragfläche ging relativ schnell über die Bühne: Die Holmen auf dem Bauplan auslegen, Rippen mit Weissleim einpassen, trocknen lassen, fertig! Der Rohbau der unteren Fläche war etwas zeitaufwendiger - obwohl sie kleiner ist! Sie weist allerdings ein gerades Mittelstück auf (im Bereich des Rumpfes) und verläuft mit 4° Anzug in einer VForm (frontal gesehen) nach aussen. Mit geeigneten Holzunterlagen war aber auch dies recht zügig bewerkstelligt.
Die Querruder (nur an der oberen Tragfläche vorhanden) sind ebenfalls in einer Rippenbauweise und ohne grösseren Probleme herstellbar.

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Nun erfolgte die Endkantenbeplankung der Tragflächen und der Querruder mit 1,5mm Balsaholz. Zuerst wurde die untere Beplankung verklebt, anschliessend erfolgte die Oberen, austrocknen lassen, verschleifen und schon sieht man langsam aber sicher wie das Modell resp. die Tragfläche die typische Kontur annimmt! Für die Flügelendspitze wurde oben ein 10mm und unten ein 5mm dickes Balsabrettchen in Form geschliffen und angebracht. An der oberen Tragfläche in der Mitte verklebte ich 3 Lagen mit einem 10mm dicken Balsabrettchen und sägte resp. verschliff die nötige Aussparung anschliessend formgetreu.

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Die Querruder wurden nun mit Silikon an die Tragfläche anscharniert resp. geklebt - dies hält bombenfest und weist trotzdem eine super Elastizität auf! Nun folgte noch die Nasenleistenbeplankung aus einem Balsa-Profil und mit 1,5mm dickem Balsaholz modellierte ich einen U-förmigen Kabelkanal für die Querruder-Servokabel.
Die untere Tragfläche beplankte ich an der Oberseite zudem noch mit 1,5mm dickem Balsaholz (erhöht in der Mitte die Auflagefläche am Rumpf).
Die Befestigung der unteren Tragfläche erfolgt mit 3 M3-Schrauben am Rumpf (dort platzierte ich entsprechend M3-Einschlagmuttern). Die obere Tragfläche wird an zwei Baldachin-Streben verschraubt, die aus 3mm dicken Messingstreifen hergestellt wurden und an der Rumpfseitenwand mit je 4 Holzdübeln verankert ist.

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Der Rumpf

Für die Seitenwände verwendete ich zwei 5mm dicke Balsabrettchen, welche anhand des Faserverlaufs um 90° verdreht verklebt wurden (dies erhöht ein Wenig die Festigkeit). Als Rumpf-Querrippen wurden im Rumpfinnern 4mm dickes Flugzeugsperrholz und an der Frontseite ein 6mm dickes Flugzeugsperrholz verwendet.

Die Motorhaube erstellte ich aus zwei 3mm dicken Sperrholzbrettchen, welche mit drei 4-kant Leisten verbunden wurden und diese beplankte ich im Anschluss mit 1,5mmBalsaholz. Die Motorhaube wird mit drei M3-Schraube an die Frontseite des Rumpfes befestigt - so ist sie jederzeit abnehmbar und man gelangt besser zum Motor. Der hinter Rumpfaufbau erstellte ich aus einem Gitteraufbau aus 6mm 4-kant Kieferholz und die Oberseite beplankte ich ebenfalls mit 1,5mm dickem Balsaholz.

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Das Höhen- und Seitenruder


Das Höhen- und das Seitenruder wurden aus 6mm dickem Balsaholz hergestellt. Die Höhenruderflossen habe ich wie die Querruder mittels eines Silikonscharniers am Höhenruder befestigt, das Seitenruder wurde ebenfalls mit Silikon am Rumpf direkt verklebt. Die Anlenkung der Ruder erfolgt mit einem 3mm-Stahlgestänge.

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Das Fahrwerk

Das Fahrwerk besteht aus 5mm Stahldraht, der mit einer entsprechenden Vorrichtung in die richtige Form gebogen wird. Dessen Befestigung wird einerseits vorne am Rumpf hinter der Motorhaube und andrerseits mit der gleichen Befestigung wie die untere Tragfläche am Rumpf vorgenommen.

Oberfläche/Bespannung/Finish

Als Bespannfolie wählte ich Oratex oliv. Diese gewebeartige Folie gibt dem Nieuport einen nostalgischen Charakter. Mit entsprechender Farbe bemalte ich die Folie in einem Tarnanstrich. Einzig beim Seitenruder bemalte ich das Balsaholz direkt mit Acryllack, welcher in jedem Bastelshop zu finden ist, und die Motorhaube mit Silberfarbe aus dem Hause Revell. Bei der Gestaltung im Allgemeinen sind - wie so üblich - der Phantasie keine Grenzen gesetzt! So habe ich auch noch vor, ein Lewis-MG aus Balsaholz und Carbon-Rörchen selbst zusammen zu basteln!

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Der Antrieb

Als Antrieb wählte ich einen Brushless-Motor. Heutzutage sind solch Elektroantriebe recht günstig und sehr zuverlässig - kurz gesagt: Plug and Play!
So montierte ich einen Pulso TM KA36-12XL (770 Rpm/V, 190gr. schwer, Imax. 35A). Dieser BL-Motor entwickelt einen Schub von knapp 3,5kg @ 14.8V mit einem 14x7" Propeller. Dies reicht völlig aus, da mein Nieuport tutti completti knapp 3 kg aufweist (theoretisch könnte ich sogar torquen). Ein 60A-BL-Regler versorgt den Motor schlussendlich aus einem 14.8V 3600mAh-Lipo. Die separate Empfängerstromversorgung wird mit einem 11.1V 2200mAh-Lipo bewerkstelligt. Ich weiss... kann denn Leistung Sünde sein?!?!

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Dies reicht wohl für 10-15 Minuten gemütlichem Rundflug aus!

Was ich noch sagen wollte:
Ich begann mit dem Bau dieses Flugmodells im September 09. Fertiggestellt habe ich es Ende Januar 10. Also schön gemütlich, ohne Stress oder Hetze. Insgesamt benötigte ich rund 100 Stunden reine Bauzeit. Die Kosten belaufen sich auf ca. 450.- Fr. - tutti completti versteht sich auch hier!

Tja, der Erstflug steht noch aus! Doch das Kribbeln darauf ist schon lange vorhanden!
10.02.10 Stefan Thurnherr

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