• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

15. Juli 2007: Red Bull Air Race

E-Mail Drucken
Beitragsseiten
15. Juli 2007: Red Bull Air Race
Bilder
Alle Seiten

Am 15. Juli sind Fabian und Peter, Robert, Werner Jenni und meine Wenigkeit nach Interlaken ans Red Bull Air Race gefahren. Der Sonntag war wie gemacht für einen solchen Anlass.

 

 


Strahlend blauer Himmel und schon fast zu warm. Aber das liess uns nicht davon abhalten, einmal dieses Spektakel live mitzuerleben. Die Anreise mit dem ÖV (öffentlicher Verkehr) war äusserst angenehm und mit Sicherheit die richtige Entscheidung. Der Fussweg zum Fluggelände, der mit 20 Gehminuten angegeben wurde, entpuppte sich dann allerdings als ein Fussmarsch von ca. 6 Km Länge, vorbei am ehemaligen Mistery-Park von Ernst von Däniken, entlang der ganzen Piste, vorbei am Hangar wo die Flieger schön aufgereiht da standen, und auf der anderen Seite wieder zurück, der Piste entlang zum Eingang, an dem die ca. 60'000 Zuschauer mühelos eintreten konnten. Wir hatten uns einen Platz in der Mitte der Piste gesichert, direkt bei der Schikane, die nur etwa 80 Meter von uns entfernt war.


Leider hat das Programm erst um 13.00 Uhr begonnen. Und vorher lief überhaupt nichts. Da haben wir uns gut daran getan, nicht allzu früh loszufahren. Genau um 13.00 Uhr ging es dann auch los mit den Alphornbläsern und einem Fahnenschwinger. Zeitgleich sind aus einem Heli ein paar Fallschirmspringer raus gesprungen und direkt vor unseren Füssen gelandet. Vier Springer hatten jeweils eine Fahne an den Füssen angehängt. Danach stieg wieder ein Heli auf. Schätzungsweise auf etwa 600 Meter. Wir konnten das Ganze direkt auf der Grossleinwand verfolgen. Dann sprang ein so genannter Base-Jumper aus dem Heli. Und ich kann euch sagen, Peter ging es wie mir. Wir dachten beide der Anlass ist in diesem Moment auch schon wieder vorbei, weil der Jumper sprichwörtlich wie ein Stein vom Himmel gefallen ist und gleich auf der Erde aufschlagen wird. Glücklicherweise für uns und vor allem für den Springer, hat er dann doch noch den Schirm geöffnet. Aber genau so spät, dass er nicht mal mehr eindrehen konnte, sondern direkt nach dem Öffnen auf dem Boden aufsetzte. Also bei mir, und ich denke auch für viele andere, hat er für einen zünftigen Schub Adrenalin gesorgt.


Dann ging es los. Zwei Maschinen starteten zeitgleich in Richtung Thun um sich im Warteraum auf den Start vorzubereiten. Dann hiess es über den Lautsprecher: „Number 7, into the Track clear, smoke on“ Die Nummer 7 hat Klaus Schrodt aus Deutschland. Er fliegt eine Extra 300 S. Er musste als erster starten, weil er in der Qualifikation die langsamste Zeit erzielte. Geflogen wurde mit reinen Kunstflugmaschinen, die speziell für das Air Race gebaut wurden. Die Flugzeug Typen waren dann auch fast nur Edge’s 540, eine MX2 und zwei Extra’s. Eine 300 S und eine 300 SR. Die Maschinen sind deshalb speziell, weil sie, genau auch wie die Piloten, enorme Kräfte aushalten müssen. Da treten die so genannten G-Forces, bis zu 10 G auf. Und was diese Piloten da leisten ist also schon aussergewöhnlich.
Dann sah man auch schon an der Hangkante Klaus Schrodt, der mit unglaublichen 400 Km/H Richtung Start-Gate zu raste. Und ich zitiere Werner Jenni: „Wenn ihr den ersten Flieger vorbei fliegen seht, dann werdet ihr die Münder nicht mehr zu bekommen.“ Und ich kann nur sagen, es war einfach der Hammer. Der eine oder andere hat sicher schon mal ein Air Race am Fernsehen verfolgt. Da sieht ja alles schon spektakulär aus. Aber das Ganze live zu erleben, der Sound, die niedrige Höhe, die Geschwindigkeit und die Nähe, dass ist einfach unbeschreiblich. Und mein Mund war jedenfalls auch noch nach dem vierten Flieger vor lauter Staunen weit offen. Denn die Zeiten wurden mit jedem Pilot immer schneller. Und da man während dem Flug auf der Grossleinwand durch die vielen Kameras, die am und im Flugzeug montiert waren, direkt das Gesicht der Piloten sehen konnte, sah man erst was für Strapazen die auf sich nehmen mussten. Die Gate’s mussten in einer bestimmten Reihenfolge zweimal durchflogen werden. Die Regeln waren relativ einfach. Nur, diese während der enormen Belastung im Flug umzusetzen zeigt noch mal, wie fit die Piloten sein mussten. Raus aus dem Rennen sind sie, wenn sie zu tief oder gefährlich fliegen, die Zuschauer überfliegen oder die 10 G überschreiten. 10 Sek. Zeitstrafe gibt es für das Zerfetzen eines Pylon’s, die übrigens aus dem selben Material sind wie die Spinnaker Segel bei der Alinghi, und die überhaupt keine Gefahr sind für die Piloten und die Flugzeuge. Und drei Sek. Zeitstrafe gibt es für zu hohes Fliegen, die blauen Gate’s nicht genau horizontal und die roten Gate’s nicht genau vertikal zu durchfliegen.
Und so flog einer nach dem anderen den Parcour mit einer solchen Routine, dass man fast meinen konnte, die machen überhaupt nichts anderes. Und doch war da Hannes Arch, der vor dem Zerfetzen eines Pylon’s dem Boden so gefährlich nahe war, dass in die Rennkommissäre gleich disqualifizierten und aus dem Rennen genommen haben. Ich möchte jetzt nicht näher auf die Piloten eingehen, dass würde den Rahmen dieses Bericht’s sprengen. Fakt ist einfach das von den ersten 12 nur die acht besten weiterkamen ins Achtelfinale, dann Viertelfinale, dann Halbfinal und zum Schluss das Finale. Es ging immer um die schnellste Zeit.
Was ich als Extra Fan natürlich unbedingt erwähnen muss. Da flog Nicolas Ivanoff mit einer modifizierten Extra 300 SR, der bis jetzt in der WM Wertung noch keinen Punkt erzielt hat, doch gleich mit Abstand die besten Zeiten. Nur leider konnte er das Ganze noch nicht zu einem Sieg umsetzen. Denn es gab jedes Mal eine Zeitstrafe. Einmal wegen zu hohem Fliegen und einmal wegen eines zerfetzten Pylon.
Zwischen den einzelnen Finalläufen wurde auch noch einiges geboten. Da war z.B. eine BO 307. Die demonstrierte uns ein Flug, der dem so genannten 3-D schon ziemlich nahe kommt. Einfach hammermässig, wie agil dieser Heli zu fliegen war. Auch das französische Breitling Jet-Team mit ihren sechs L39 Albatros boten einen Staffelflug der allerersten Sahne. Zu erwähnen sind auch die vier Piloten aus dem Ostblock mit ihren Zlin’s. Bei denen sah man einen Turn, den die vier wirklich miteinander in der Formation eines Viereck’s das auf der Spitze steht, geflogen haben. Auch war die Figur Korkenzieher atemberaubend. Der eine Pilot hat wirklich um die anderen drei Korkenziehermässig seine Fassrollen geflogen.

Abschliessend sei nur noch gesagt, dass das Event wirklich Spass gemacht hat. Das ich, und ich glaube auch Fabian, Peter, Robert und Werner Jenni, voll auf meine Kosten gekommen bin.

Da bleibt nur noch zu erwähnen, dass der Heimweg nun noch anstand. Und da wir die Strecke lieber nicht mit der ganzen Menschenmenge wieder zurück laufen wollten, beschlossen wir, erst noch gemütlich ein Bier zu trinken. Ca. 30 Min. später, als sich das Feld schon sehr lichtete, machten wir uns auf den Heimweg. Und wer mich kennt, der weiss, dass ich immer nach einer Alternative suche, wenn mir was nicht so gepasst hat. Kurz bei einem Securitas nachgefragt wo man denn hinkommt, wenn wir auf die andere Seite zurück spazieren. Der meinte nur: „1.5 Km bis Wilderswil und dann die Bahn nach Interlaken.“ Gesagt, getan. Aber wie es halt ist, nach so einem heissen Tag auf den Füssen. Man(n) wird halt schon recht müde.
Und was sehen wir, ein Taxi. Ich gleich einen Brüll zum Fahrer. Die wollte aber nichts von mir wissen. Schon bestellt sagte sie. Ich ein leises Schei..e. Dann das Zweite. Ich schon vorgewarnt. Ich wie verrückt mit den Händen gewinkt, der Taxifahrer zu mir aus dem Wagen. „Jenni?“ Ich „ja Jenni, und gleich zu Werner, Jenni, unser Taxi ist da.“ Werner: „hää“, ich „nünnt hää, du Jenni“ Werner zum Fahrer: „jo, i Jenni. Und dann musste alles ein bisschen sehr schnell gehen. Weil Jenni mit grossen Schritten im Anmarsch war. Der echte Jenni stellt sich neben mich und meint: „mein Taxi.“ Ich nur: „ zupfti, mein Taxi. Der einzige, der noch nicht eingestiegen war, war Robert. Und der wurde dann auch noch ganz unverhofft in die Schranken gewiesen. Komischerweise hat Robert von dem Ganzen noch gar nichts mitbekommen und meinte nur zu uns: „ wa hätt de för a Problem ka?“ Werner Jenni und ich hatten zu dem Zeitpunkt leider keine Antwort parat.
Und was noch die absolute Krönung war. Als wir schon fast am Bahnhof ankamen, sahen wir die Spitze der Menschenmenge. Wir mussten also nicht mal anstehen am Bahnhof. Wir konnten durchgehen bis zum Zug. Und keine 5 Min. später konnten wir sitzend die Heimreise antreten. Pünktlich um 19.30 Uhr waren wir wieder im Hahnenmoos und konnten gemütlich das Nachtessen einnehmen.

Ach ja, und wir haben kein schlechtes Gewissen.

Juli 2007 Pizzeghello Mirco