|

|
Eines vom Wichtigsten im Umgang mit Harz ist das genaue Mischverhältnis. Dies kann am besten durch Zuhilfenahme einer Brief- oder Digitalwaage geschehen. Werner vertraut auf eine 100g-Briefwaage, der Autor benutzt seit längerem eine Soehnle-Digitalwaage (max. 200g, Auflösung 1/10g) von www.swiss-composite.ch. Nun gibt es verschiedene Zusätze zum Harz, wie z.B. das Thixotropiermittel (kurz: Thixo) oder auch Kaposil genannt, welches ein Ablaufen des Harzes an senkrechten Flächen bewirkt. Als Spachtelmasse eignen sich eine 1:1 Mischung aus Microballons (Glas-Hohlkugeln) und Thixo, welche sich dann relativ gut schleifen lässt. Für Armierungen, wie z.B. Verstärkung der Steckungsrohre im Rumpf, Spanten oder Servobrettchen, eignen sich Baumwollflocken, Glas- oder Carbonschnitzel. Werner verwendet dazu immer wieder Thixo um das Harz auf die richtige Konsistenz einzudicken und um die unerwünschte Nasenbildung zu verhindern. Dies ist wichtig, da das Harz beim Abbinden Wärme erzeugt und somit noch flüssiger wird, d.h. es kann während dem Abbinden unkontrolliert ins Fliessen kommen. Soll z.B. Glasgewebe zur Verstärkung von Kanten eingesetzt werden, sollte das 24h-Harz wieder mit Thixo verdickt werden, damit sich das Gewebe im Kantenbereich nicht zurückziehen kann. Wobei hier natürlich darauf geachtet werden muss, dass nicht zuviel Thixo verwendet wird, da sich das Gewebe sonst nicht mit Harz durchtränken lässt. Für den Alltagsgebrauch genügen dem Modellbauer 2 Arten von Gewebe: Köper und Leinwand. So wird die Art bezeichnet, wie das Gewebe gewoben ist. Köper wird versetzt gewoben und Leinwand hat eher ein schachbrettartiges Gewebebild. Aufgrund der Webestruktur ist Köpergewebe sehr anschmiegsam und wird überall dort verwendet, wo über Konturen, wie z.B. Kanten, Rundungen (oder Werner's Daumen ) laminiert werden muss. Hingegen wird Leinwandgewebe bei ebenen Strukturen wie z.B. Sandwichaufbau von Spanten/Sperrholzbrettchen oder Tragflächen verwendet. Bei alle den Arbeiten sollten aus Gesundheitsgründen Schutzvorkehrungen getroffen werden. Es sind dies zum einen Einweg-Vinyl-Handschuhe (Achtung: Keine Latex-Handschuhe verwenden, da bei diesem Material die Gefahr besteht, dass die giftigen Zusätze im Harz, Kleber etc. durch die Latexschicht hindurchdiffundieren und so über die Haut in den Körper gelangen. Ein Atemschutz mit Gasfilter sowie eine Schutzbrille gegen Spritzer, Verdunstungen und Staub sollte selbstverständlich sein. Anderenfalls besteht bei häufiger nichtgeschützer Anwendung die Gefahr einer Allergie. Im Anschluss an den "Giftmischerkurs" folgte dann ein Thema, welches auch auf dem Flugplatz immer wieder zu Diskussionen führt: Schwerpunktbestimmung und EWD. Werner erklärte anhand kunstvoller Zeichnungen wie der Schwerpunkt rechnerisch zu bestimmen ist. In Worten ausgedrückt funktioniert es folgendermassen: zuerst wird der Massenschwerpunkt bei der Tragfläche via Trapezberechnung bestimmt. Ist dieser gefunden, stellt man sich durch diesen Punkt eine Flächenrippe vor und misst von der Nasenleiste her 33% (Anhaltswert für Segler) zur Endleiste hin (Motorflieger 25%, wobei die %-Angabe vom Profil abhängig ist). Nun muss dieser Punkt nur noch im rechten Winkel zum Rumpf abgebildet werden und man hat den Schwerpunkt an der Flügelwurzelrippe. Fertig. Was noch fehlt ist die EWD. Per Definition ist dies der Winkel der Tragfläche zum Höhenleitwerk, wobei das Höhenleitwerk oder die Tragfläche in der Flugachse auf 0 Grad liegt. Da aber die Tragfläche im allgemeinen fixiert ist (lässt sich schlecht ändern), wird die EWD meistens beim Höhenleitwerk eingestellt. Die EWD wirkt sich auf die Flugeigenschaft aus, d.h. je eigenstabiler ein Flugzeug fliegen soll, desto höher sollte auch die EWD eingestellt sein. Andersrum geht die EWD gegen 0˚ , wenn es sich um ein Kunstflugmodell handelt. EWD-Angaben: Kunstflug 0˚ Motorflug 0.5˚ - 1˚ Hotliner 1˚ - 1.5˚ Segler 1.5˚ - 2˚
Sind Schwerpunkt und EWD einmal am Flugzeug eingestellt, kann das Ganze via Abfangbogen-Test überprüft werden, d.h. das Fluggerät wird in sicherer Höhe in einen Sinkflug von 45˚ gebracht. Dann stellt man die Knüppel in die Neutralposition. Ein gut eingestellter Segler sollte nun in einem Bogen wieder in Normalposition fliegen. Nimmt er die Nase hoch und kommt ins Pendeln, so ist der Schwerpunkt zuweit vorne - nimmt er die Nase runter, dann ist der SP zuweit hinten Bei einer Kunstflugmaschine und 0˚ EWD sollte der Flieger seine Flugbahn beibehalten, da es ja nicht erwünscht ist, dass sich das Flugzeug selbstständig in eine stabile Fluglage lenkt. Somit muss dieser Test immer entsprechend dem Fluggerät ausgeführt und beurteilt werden. Abschliessend möchte ich mich im Namen der Zuhörer bei Werner für diesen aufschlussreichen, interessanten und humorvollen Vortrag bedanken. Ich war sicher nicht der Einzige, der ein wichtiges Mehr an Grundlagenwissen nach Hause nehmen konnte. Robert Deutschmann / 3.2.05
|